Sep 5 2010

#LQFB != Datenschutz

Im Rahmen der Liquid Feedback Debatte ging es immer wieder um den Datenschutz und mir erschien es da, aber auch schon vorher so als wären einige extra in die Piratenpartei eingetreten damit ihre Daten möglichst noch etwas besser geschützt werden. Grade in der, teilweise fast schon blutig, geführten Debatte um die Einführung von Liquid Feedback hieß es immer wieder: “Was ist wenn mein Chef sieht das ich mich fürs BGE einsetze?” oder “Was ist wenn meine Eltern sehen das ich die Ehe zwischen Mann und Mann gleichstellen will?” Es wurde von den Gegnern immer wieder so argumentiert, dass es ein großes Problem für das Privatleben seien könnte wenn diese Sachen von Nichtpiraten erkannt wird.

Meine, zugegeben radikale, Antwort auf diese Themen ist: Die Piraten sollten die Meinung und die Handlungen ihrer Mitglieder nicht verstecken! Wenn ich etwas im Liquid Feedback System fordere dann muss ich auch das Selbstvertrauen habe es “im Notfall” vor meinem Vorgesetzten oder meiner Familie zu verteidigen und für meine Meinung einzustehen. Denn eigentlich ist es total widersprüchlich erst zu fordern das alle politischen Vorgänge transparent seien sollen und dann sich selbst hinter einem verrückten Namen zu verstecken wenn man dafür kämpft das diese von der Piratenpartei gefordert werden. Zugegeben: Diese Einstellung ist sehr radikal und ich halte es auch für einen brauchbaren Kompromiss mit den Pseudonymen, aber von mir aus sollte das alles unter Realnamen laufen, aus den genannten Gründen.

Außerdem halte ich einen absoluten Datenschutz eh für absolut überholt und sehr kontraproduktiv, sei es in der Google Streetview Debatte oder beim ePerso. Es gibt immer Dinge die man kritisieren kann, aber jedes mal mit der Datenschutz-Keule zuzuschlagen halte ich für die Piraten für nicht klug. Ich möchte nämlich gar nicht in der “Datenschutzpartei” sondern gerne in der “Innovativen-Partei” sein.

Wer mit mir und wirklichen Experten darüber diskutieren möchte kommt am besten zur #om10 nach Kassel, es gibt noch “wenige Restkarten”, wie man hört.

Foto: CC-BY-NC-SA 2.0: Bastian Greshake


Sep 2 2010

Könnte #Sarrazin recht haben?

Gestern hatte ich eine interessante Diskussion mit ein paar Freunden über Sarrazin und seine Thesen. Wir waren uns ziemlich schnell einig über ein paar Grundsätze:

  • Sarrazin ist ein Polemiker
  • Er verallgemeinert viel zu häufig
  • Das Buch ist nicht wissenschaftlich

Aber dann fragte Einer: “Warum darf man in Deutschland denn anscheinend immer noch nicht sagen das wie ein Integrationsproblem haben?” Ich war mir sehr sicher diese Aussage auch schon vor Sarrazin gehört zu haben und auch da mit den fast selben Begründungen: Muslimische Einwanderer der 3. Generation haben ein Integrationsproblem weil sie in Deutschland keine Zukunft sähen.

Ziemlich schnell zog sich ein Graben durch den Tisch: 2 waren “pro-Sarrazin” ich und ein anderer waren stark gegen ihn und hielten ihn für einen Rechtspopulisten ohne Sachverstand. Es kam wiederum die Frage von der anderen Seite: “Was ist ein Rechtspopulist, ist das nicht nur ein Wort der Medien um eine solche Diskussion zu unterdrücken?” Ich entgegnete das ein Rechtspopulist jemand sei der komplexe Verhältnisse und Zusammenhänge mit einfachen Lösungsformeln wie dem Schrei nach der Ausweisung der “Islamisten” zu lösen versuche. Ob das eine richtige Definition ist weiß ich nicht, aber ich denke es passt einigermaßen. Kurz darauf fragte ich mal bohrend nach wie sie das Problem, falls es eins gibt, denn wirklich belastbare Zahlen oder Studien gibt es ja wohl kaum, lösen wollen. Wir waren uns schnell einig dass das Bildungssystem hier wohl geändert werden muss, aber ob das klappt merkt man wohl erst wirklich nach Jahrzehnten. Eine andere Lösung sehe ich aber nicht.

Also könnte Sarrazin recht haben? Für mich immer noch: Kein Stück! Der Mann ist für mich immer noch ein Populist und ein mediengeiler Typ der einfach nur gerne provozieren will. Hat das was mit Meinungsfreiheit zu tun? Ja hat es. Klar die Meinung ist nicht meine und sie ist auch sicher nicht konsensfähig, aber darf man ihm deswegen dein Mund verbieten? Eine schwere Frage und wirklich nicht leicht zu beantworten. Ich denke das er seinen geistigen Dünnpfiff ruhig sagen und denken darf, was ich sehr kritisch sehe ist die Rolle der Medien, grade die unreflektierte Wiedergabe durch die BILD, die ja leider immer noch viel zu viel gelesen wird, sehe ich als sehr gefährlich an und vom SPIEGEL hätte ich mehr Mut erwartet.

Aber am wichtigsten: Brauchen wir eine Diskussion über Integrationsprobleme? Ja von mir aus gerne, aber dann bitte mit belastbaren Studien und einigermaßen brauchbaren Statistiken. Das der Volksmund glaubt das alle Hartz IV Empfänger dumm und alle Türken kleine Osama bin Ladens sind mag zwar bei manchen so sein, auch wenn das sehr traurig ist, aber das darf nicht die Grundlage einer Diskussion sein!


Aug 24 2010

Bald im App Store: Demokratie

Seit kurzem hat die Piratenpartei Deutschland ein neues Goldene Kalb, Eierlegende Wollmilchsau, oh sorry ich meinte natürlich ein System zur innerparteilichen Meinungsbildung, wohl bekannt als Liquid Feedback und unter http://lqfb.piratenpartei.de für alle einsehbar. Ich werde auch mal meine Meinung zum System äußern, allerdings werde ich das erst machen wenn es auch ein paar Wochen hatte sich einzupendeln, denn im Moment ist es einfach noch zu früh um zu meckern, aber das hält einige ja nicht ab.

Aber das soll gar nicht das Thema dieses Blogposts sein. Was LQFB nämlich auch noch hat ist eine API, also eine Softwareschnittstelle für Drittprogramme, mit der man die Daten der einzelnen Anträge auslesen kann. Die API spricht JSON und XML und bietet leider im Moment nur lesenden Zugriff, ich kann also nicht über die API abstimmen, Anträge schreiben usw.. Außerdem hat die API noch einen kleinen Fehler, jedenfalls in meinen Augen: Der API-Key wird pro User generiert und nicht wie bei fielen anderen APIs pro zugreifende App, ich würde das gerne geändert sehen denn im Moment müsste ich jedem User eines Programms sagen das er sich mal in den Einstellungen unter Erweitert hinten links so einen Key generieren lassen soll oder ich musste alle User über einen, im Zweifel meinen, Key laufen lassen. Auch keine gute Idee.

Aber warum schreibe ich das Alles? Weil ich mit dieser API mich daran gesetzt habe eine iPhone App zu schreiben die dann die Anträge in schön auf dem kleinen Bildschirm anzeigen soll. Da ich auf der WWDC 2010 auch einen Vortrag über Server driven user experiences gehört habe in dem JSON empfohlen wurde für den Job habe ich dann auch bald begonnen das umzusetzen. Leider gibts da noch so ein paar Probleme, viele Sachen setze ich zum ersten Mal um, da fehlt noch etwas die Erfahrung, ich komme leider in letzter Zeit viel zu selten zum coden. Die erste Version ist allerdings jetzt veröffentlicht und steht bei github zum Download und verbessern bereit. Der Code von mit steht unter der Lizenz “I don’t give a f***k”, mir ist es also eigentlich egal was ihr damit macht, ich weise aber mal darauf hin das das JSON-Framework eine andere Lizenz hat.

Was ich allerdings noch brauchen könnte wäre Hilfe! Es muss doch noch ein paar Piraten geben die das mit stemmen können und mir ein bisschen bei NSDictionary, UITableView und Co. helfen können.

PS: Ich hab jetzt auch dieses Flattr, also wer will: Immer gerne.


Jul 21 2010

Offener Brief der Piratenpartei

Folgender offener Brief der Piratenpartei Deutschland wird heute, der EU-Kommission und der Bundesregierung
zugestellt.

Die Verhandlungen des Anti Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) in Luzern Ende Juni wurden erneut im Geheimen geführt, das Ergebnis der Verhandlungen wurde nicht veröffentlicht. Nachdem selbst Mitgliedern des Europäischen Parlaments verboten wurde [1], ihre Informationen über ACTA mit der Öffentlichkeit zu teilen, wie der Abgeordnete Christian Engström von der Piratenpartei Schweden berichtet, ist es erneut mutigen Einzelnen zu verdanken [2], dass die Öffentlichkeit über die in ACTA geplanten Bürgerrechtsverletzungen informiert werden kann.

In Gesprächen mit der Piratenpartei sah sich die Europäische Kommission nicht in der Verantwortung, Transparenz über die Inhalte zu schaffen. Dies sei Aufgabe der deutschen Verhandlungsteilnehmer, die nicht durch die Kommission vertreten seien. Die Bundesregierung gab jedoch an, sehr wohl durch die Kommission vertreten zu sein und lediglich Beobachter zu den Verhandlungen geschickt zu haben.

Es ist offensichtlich, dass Kommission und Bundesregierung einander den schwarzen Peter zuschieben, für die Transparenz der Verhandlungen gegenüber der deutschen Öffentlichkeit Verantwortung zu übernehmen. Die Geheimhaltung der ACTA-Verhandlungen zeugt von einem Misstrauen gegenüber den Bürgern, von denen wiederum blindes Vertrauen in den guten Willen der Verhandlungspartner eingefordert wird. Diesen untragbaren Widerspruch prangern wir in unserem offenen Brief an und fordern Kommission und Bundesregierung auf, die ACTA-Verhandlungen endlich offenzulegen.

[1]http://christianengstrom.wordpress.com/2010/07/12/acta-negotiators-inform-the-parliament-in-secret/
[2] http://www.laquadrature.net/en/new-acta-leak-2010-07-13-consolidated-text-luzern-round

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Offener Brief
an die EU-Kommission und
an die Regierung der Bundesrepublik Deutschland

Sehr geehrte Damen und Herren,

Seit mehr als zwei Jahren verhandeln Staaten und Staatenbünde unter
Ausschluss der Öffentlichkeit über das Handelsabkommen ACTA, das
Anti-Counterfeiting Trade Agreement. Nur gelegentlich sickern
inoffiziell Zwischenergebnisse oder vermeintliche Zwischenergebnisse
durch. Erst jüngst hat das Europäische Parlament diese Vorgehensweise
kritisiert und gefordert, die Parlamente über den jeweiligen
Verhandlungsstand zu informieren. Zu den ACTA-Verhandlungen stellen wir
Ihnen im folgenden einige Fragen und bitten Sie um Antworten.

Was sind die Gründe für die Geheimhaltung der ACTA-Verhandlungen?
Geheimhaltung ist dann sinnvoll, wenn man eine Strategie plant und seine
Gegner darüber im Unklaren lassen will. Die Geheimverhandlungen sind
also Ausdruck eines grundsätzlichen Misstrauens gegenüber der
Öffentlichkeit, in deren Interesse Sie handeln sollen.

Gleichzeitig begegnen Sie jeglicher Kritik seitens der Bürgerbewegungen
mit Unverständnis. Sie zeigen sich verwundert über die Bedenken, die
durch die intransparente Verhandlungsführung und das Durchsickern
ungesicherter Informationen erst geschürt werden.

Warum fordern Sie mehr Vertrauen in den guten Willen der
Verhandlungsdelegationen, wenn Sie selbst nicht bereit sind, den Bürgern
ebenfalls Vertrauen entgegenzubringen und den Verhandlungsstand
offenzulegen?

Warum weigern Sie sich, den aktuellen Verhandlungsentwurf zu
veröffentlichen? Damit könnten Sie doch leicht unsere Befürchtungen
entkräften, ACTA verletze Bürgerrechte.

Wir fordern:

  • Der aktuelle Verhandlungsstand muss veröffentlicht werden.
  • Alle betroffenen Gruppen – Politik, Zivilgesellschaft und Industrie – müssen in die Verhandlungen einbezogen werden.
  • Es muss einen Dialog zwischen den ACTA-Delegationen und der europäischen Öffentlichkeit geben. Dieser Dialog muss offen, ehrlich und verständlich sein.

Wir appellieren an Sie: Nehmen Sie die Verantwortung wahr, die Sie
gegenüber den Bürgern Deutschlands und Europas haben!

Wir hoffen auf baldige Antwort und verbleiben
mit freundlichen Grüßen

Piratenpartei Deutschland


Jul 11 2010

F24 darf nicht sterben!

Zur Zeit sieht es schlecht aus für Münsters Kulturkneipe, der F24. Das Haus an der Frauenstraße 24 war das erste besetzte Hause in  Deutschland, die Kneipe wird getragen von einem Verein und ist deshalb für Münsteraner Verhältnisse auch eine der günstigsten und das Essen dort ist der Hammer, aber das macht die F24 nicht so besonders, besonders macht sie, dass hier in all den Jahren ein sehr fruchtbares Umfeld für Kultur, Politik und Kunst entstanden ist: Jeder der will kann dort seine Veranstaltungen machen, egal mit welchem Budget und zu welchem Thema, man wird immer gerne gesehen.

Aber damit soll bald Schluss sein wenn es nach einigen Nachbarn geht. Man beschwert sich über die Lautstärke der Musikveranstaltungen, die Leitung reagierte, es wird keinen weiteren Konzerte mehr in der F24 geben. Dies reicht aber den Nachbarn oder einem einzelnen Nachbarn, man weiß es nicht, die/der es BTW eigentlich langsam kennen müssten, der Laden besteht seit den Achtzigern, jetzt wurde die Bauaufsicht eingeschaltet um zu überprüfen ob der Kulturbetrieb in den Räumlichkeiten überhaupt in Ordnung ist.

Sollte die Aufsichtsbehörde wirklich den Kulturbetrieb in der F24 verbieten wäre das wohl ein kleiner Todesstoß für den Laden, klar es wäre dann immer noch eine Kneipe, aber von normalen Kneipen hat Münster nun wirklich genug.

Ich hoffe das die Piraten in Münster sich dafür einsetzen werden das die F24 so wie sie ist erhalten bleibt, dafür haben wir diesem Laden und speziell auch der Leitung, einfach zu viel zu verdanken. Ich erinnere mich an einige Veranstaltungen dort mit Teilweise 40 und mehr Leuten, wir belegten mindestens die halbe Kneipe und trotzdem war Saalmiete oder so etwas nie ein Thema, wir waren und sind dort immer willkommen gewesen, sei es für Liquid Feedback Vorträge, die Gründung eines Kreisverbands oder für Pressekonferenzen. Ich werde das Thema bei der nächsten Vorstandssitzung in einer Woche ansprechen.


Mai 17 2010

Der bessere #bpt10

Am Wochenende war mal wieder Bundesparteitag. Dies mal im beschaulichen Bingen am Rhein, ein kleiner Ort mit rund 25.000 Einwohnern, malerisch gelegen im Rheintal. Es war eigentlich klar das wir es niemals schaffen alle 300+ Anträge abzustimmen und nen Vorstand zu wählen, trotzdem wird danach immer wieder gerne gemeckert. Ich will gar nicht über Entscheidungen meckern, die hat man als Demokrat mitzutragen, sondern über ein paar Sachen die mir aufgefallen sind:

  1. Die Versammlungsleitung hat sich zu oft ablenken lassen und war leider nicht gut vorbereitet.
  2. Bingen hat leider nicht die nötige Infrastruktur für so etwas
  3. Viele Dinge die man in einer normalen Halle immer hat mussten extra gemietet werden
  4. Das ORGA-Team wollte sich anscheinend leider nicht auf gute Vorschläge einlassen

Gut die Probleme sind benannt, das können wir Piraten ja auch gut, aber was muss anders laufen? Folgende Punkte fallen mir da ein:

  1. Der Ort der Veranstaltung muss größer sein, es muss einfach möglich sein auch nach 18:00 noch mal einzukaufen usw.
  2. Die Versammlungsleitung muss strenger durchgreifen, auf der Bühne kommt nur wer da auch hingehört und es gibt keine Diskussionen vor der Bühne, alles andere stört die Konzentration
  3. Das Plenum hält endlich mal die Klappe wenn es nichts zu sagen gibt
  4. Es sollte ein Parteitagsgremium geben das auf der Bühne sitzt und dort Anfragen und so weiter non-verbal beantwortet
  5. Vorbereitet zu sein gehört belohnt und nicht mit unwissenden Fragern bestraft

Das wären Stichpunkte was es sicher zu verbessern gibt, über die konkrete Umsetzung denke ich grade nach. Ich bitte den neuen Vorstand eine offene (!!!) Ausschreibung für den nächsten Bundesparteitag zu machen, so können Piraten Konzepte für ihre Stadt erarbeiten und dann möge das Beste gewinnen und nicht das wo der Vorstand drauf Lust hat. Es ist klar das immer Leute die die weiter weg wohnen meckern werden, dies lässt sich aber einfach nicht verhindern.


Mai 12 2010

Just another party!?

Immer wenn ich auf irgendwelchen Veranstaltungen Vorträge oder Diskussionen zum Thema Kreisverbände gehalten habe gab es immer das selbe Argument: ” Wir wollen doch nicht wie die Anderen sein.” Jetzt mal Klartext warum wir grade in NRW genau das werden: Just another party…

Wir streiten uns jetzt seit Monaten um die Frage welche Struktur der LV NRW denn haben soll und wie die perfekte Struktur seien soll. Der Hang dazu es zu verkomplizieren scheint grade in NRW sehr ausgeprägt zu sein. Aber eine Struktur die immer mehr Räte, Ausschüsse und so weiter erschafft ermöglicht es eben nicht der “Basis” oder Leuten die gar nicht Mitglied sind mitzuarbeiten. Wir brauchen eine Struktur die so einfach wie nur eben möglich ist oder wie ich Nerd es sagen würde: KISS (Keep It Simple Stupid). Nach meiner Ansicht gehört die komplette Crewordnung verbrannt und aus der Satzung ersatzweise gestrichen. Aber eben nicht weil ich keine Crews mag sondern weil Crews kleine, sich selbst organisierende Gruppen seien sollten die sich selbst Regeln auferlegen oder eben nicht. Aber woher kommt denn jetzt das Geld? Wenn eine Crew Geld braucht dann kann sie dieses bei einem Verband einfach beantragen (Sei es der LV, ein KV or what so ever). Das hat den Vorteil das Crews überhaupt nicht örtlich gebunden seien müssen, man Mittel auch mal zusammenkratzen kann für größere Sachen und es macht das ganze System flexibler. Denn das ist es was die Piraten auszeichnen sollte: Flexible Strukturen die dezentral strukturiert sind und damit Probleme lösen. Wenn wir die Crewordnung raushauen fliegen natürlich auch die Regeln für AGs/AKs und PGs raus aber jetzt mal ganz ehrlich: Brauchen wir die? Sollten wir nicht einfach verdammt noch mal uns Leute suchen was erarbeiten und es dann vom Vorstand absegnen lassen falls nötig?

Meinungen bitte an: plaetzchen@piratenpartei-nrw.de


Mai 11 2010

Für Christen unwählbar!?

Heute Mittag begann auf Twitter eine angeregte Diskussion zwischen @Maltis, @Rainer_Kluthe, @JanDoerrenhaus, @gedankenstuecke und mir, es ging um die Anträge zum Thema Gender- und Queerpolitik (und Folgende) die beim Bundesparteitag nächste Woche beschlossen werden sollen. Die Diskussion startete damit das Rainer zu bedenken gab das wir uns mit solchen Forderungen für Christen unwählbar machen würden.

Um was geht es also? Es geht in den Anträgen auch um die absolute Gleichstellung von Ehen die nicht aus Frau/Mann bestehen. Vor allem wurde auf das Grundgesetz §6 verwiesen:

(1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.

(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.

(3) Gegen den Willen der Erziehungsberechtigten dürfen Kinder nur auf Grund eines Gesetzes von der Familie getrennt werden, wenn die Erziehungsberechtigten versagen oder wenn die Kinder aus anderen Gründen zu verwahrlosen drohen.

(4) Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft.

(5) Den unehelichen Kindern sind durch die Gesetzgebung die gleichen Bedingungen für ihre leibliche und seelische Entwicklung und ihre Stellung in der Gesellschaft zu schaffen wie den ehelichen Kindern.

Das Grundgesetz definiert aber eben nicht was Ehe überhaupt bedeutet, kann eine Ehe nicht auch zwischen Mann und Mann bestehen? Klar die Christen sagen jetzt das eine Ehe nur zwischen Mann und Frau geschlossen werden kann weil es ja so in der Bibel steht, aber so leid es mir tut: Die Bibel ist nicht die Grundlage meines Denkens und sollte auch nicht die Grundlage für Gesetze sein, sie ist eine Geschichtssammlung die Uralt und x-mal übersetzt wurde und ist für mich daher als Bezugspunkt für Argumentationen zu aktuellen Fragen nicht zu gebrauchen. Oder wie es ein Nerd letztens sagte:

Man kann nicht mit einem hunderte Jahre altem Betriebssystem die Probleme von Morgen lösen.

Ein Argument das grade von Jan vertreten wurde war, dass Kinder aus gleichgeschlechtlichen Ehen, seien sie jetzt natürlich gezeugt oder durch Adoption angenommen, eher diskriminiert werden könnten. Klar Kinder sind grausam ehrlich, vor allem untereinander und glaubt mir ich weiß wie es ist diskriminiert zu werden weil man anders ist, aber auch das ist für mich kein Argument denn Kinder werden auch ausgegrenzt weil sie übergewichtig, nicht-deutsch oder rothaarig (bitte mach aus der Reihenfolge keine Wertung) sind. Man kann doch gleichgeschlechtlichen Paaren die Gleichberechtigung nicht verweigern nur weil sie dann eventuell diskriminiert werden. In diesem Fall muss sich nicht der Diskriminierte sondern der Diskriminierende ändern!

Um ehrlich zu sein: Ich möchte gar nicht das fundamentalistische Christen uns wählen. Ich meine jetzt nicht den ganz normalen Gläubigen der am Sonntag zur Kirche geht, aber das dann auch kritisch hinterfragt, ich meine die Christen die glauben das die Bibel die einzige Wahrheit ist und auch solche Sachen glauben das man Homosexualität heilen kann oder so ein Schmu, die sollen ruhig die PBC wählen.


Mai 10 2010

Wahlnachlese

Gestern war es so weit: Die Landtagswahl in NRW ist gelaufen. Es ist geschafft! Kein Kleister mehr der kaum rauszuwaschen ist, keine Kabelbinder die immer dann reißen wenn man sie grade braucht, keine Infostände bei 8°C und Regen, aber auch leider keine Podiumsdiskussionen mehr, keine Diskussionen mit Bürgern mehr, keine nächtlichen Touren durch die Clubs um Flyer zu verteilen.

Nun wir haben in NRW 1,54% der Stimmen geholt, das ist etwas weniger als bei der Bundestagswahl (1,7%) aber wir sind damit auch immer noch die größte der Sonstigen. Ich denke jedem war klar das unsere Chancen wirklich in den Landtag einzuziehen eher illusorisch waren. Bei dieser Wahl ging es eher um eine Wechsel, das verleitet natürlich auch den ein oder anderen dazu strategisch zu wählen, außerdem fehlte uns in NRW ein klarer Gegner. Ich möchte auch gar nicht irgendjemanden die Schuld in die Schuhe schieben, erlaube mir trotzdem aber ein paar kritische Anmerkungen:

  1. Zentralismus ist von gestern! Wir brauchen dringend frische Ideen für die Verteilung der Mittel und des Materials. Die Einstiegsschwelle um an Material zu kommen war viel zu hoch, es war Nicht-Mitgliedern faktisch nicht möglich auf eigene Faust zu plakatieren.
  2. Wir waren viel zu lieb! Vergleiche ich die Aussagen auf den Plakaten mit denen der Bundestagswahl waren wir viel zu angepasst. Wir haben unsere Wähler gesiezt, was viele seltsam fanden und haben Sprüche gebracht die vor Polemik nur so strahlen. Dem Material fehlte leider der kreative und witzige Charme.
  3. Die “Keine Personen”-Strategie sollten wir überdenken. Zumindest für die Direktkandidaten hätte man sich auch Plakate mit deren Konterfeit und einem kreativen Spruch denken können. Die Leute wollen sich auch identifizieren.

Das war die Kurzversion, eine längere werde ich sicher auch mal irgendwo vortragen. Ich danke allen die mitgeholfen haben, vor allem der legendären Berliner Crew Seetiger, die uns in Münster sehr unterstützt hat, allen Leuten die uns beim Plakatieren, Infostand besetzen und Brefkastenflyern geholfen haben und natürlich dem besten Kreisvorstandsbeisitzer den man haben kann: Pascal ich danke dir für deinen Einsatz der weit über jedes normale Maß hinausging!


Apr 15 2010

Meine erste Podiumsdiskussion

Heute war es soweit: Meine erste Podiumsdiskussion stand an. Statt fand das ganze in einem Gymnasium hier in Münster, mit dabei waren: Svenja Schulze (SPD), Josef Rickfelder (CDU), Otto Reiners (Grüne), Petra Pabst (FDP), Rüdiger Sagel (LINKE) und ich als Pirat. Bevor es los ging war es eigentlich schon rech amüsant, es war halt so wie immer: Mit der SPD und den Grünen noch etwas Small Talk, die FDP und die Linke standen sehr alleine da und die CDU kam zu spät. Die Podiumsdiskussion war vom Seniorenrat, dem Jugendrat und dem Verein für Generationengerechtigkeit ausgerichtet, es ging hauptsächlich, auch natürlich wegen des Publikums, um Bildung und auch um Integration und Altersarmut.

Was mir aufgefallen ist: Unser Bildungsprogramm rockt! Grade für den Ansatz eben es nicht in 5 Jahren durchdrücken zu wollen sondern einen evolutionären Ansatz zu verfolgen gab es viel Anerkennung, auch unsere etwas lockere Art Dinge anzusprechen und auch mal kein Sakko zu tragen kam gut an. Ein paar Tipps:

  • Langsam reden
  • Wasser trinken
  • Nicht von Spitzenpolitikern unterbrechen lassen
  • Nicht verkleiden
  • Notizen machen

Ich habe davon fast alles gemacht, außer das ich leider mein Notizblock vergessen habe, aber dafür gibt es ja das Gehirn. Ich fand es eine tolle Erfahrung die Piraten mal zu repräsentieren und auf Augenhöhe mit MdLs zu diskutieren, wenn ihr die Chance habt: Nutzt sie!